Sollen Schüler länger gemeinsam lernen? So will es die Politik in Hamburg und NRW. Der Schaden wäre groß
Eine Antwort:
Sehr geehrter Herr Kerstan,
vielen Dank für Ihren Artikel auf Seite 1 der aktuellen ZEIT. Er hat mich emotional sehr berührt, und wütend gemacht. Auf Sie.
Sie beschreiben einen bevorstehenden Glaubenskrieg um unsere Kinder, deren Bildung, an unseren Schulen. Und glauben selbst nur, dass die Primarschule eventuell nichts bringt. Schließlich weisen nur “vage” Berechnungen auf einen Erfolg hin.
Sie bringen Berlin ins Spiel – vergleichen also Äpfel mit Birnen, denn von Zuständen wie in Berlin ist Hamburg zum Glück weit entfernt. Und schreiben, dass in Hessen auch nichts gewonnen wurde – die soziale Herkunft entscheidender war. Ziehen also Rückschlüsse, mit denen Sie Ihre eigene Meinung aushebeln – merken es scheinbar über weite Strecken nicht. Nehmen Gegenargumente, die nicht den Kern treffen und mit Ihren Kritikpunkten keine Berührungspunkte haben.
Sie spielen – für mich grob fahrlässig und irreführend – damit alle anderen Teilaspekte der Reform komplett runter. Sie sagen selbst: Die Gesamtschule schadet nicht, vielleicht bringt sie etwas. Und wollen aus diesem Grund die ganze Reform kippen. Was ist das für eine Logik? Haben Sie Angst, dass Ihre Kinder zwei Jahre länger an der Seite von Migranten lernen?
Sie verführen – mit Hilfe Ihrer Macht – eine Stadt. Und was Sie damit anrichten ist Ihnen scheinbar gar nicht bewusst. Sie enden mit: “Wenn die Hamburger am Sonntag die überflüssige Primarschule ablehnen – dann wird die Kraft frei, um den Bildungsverlierern zu helfen.”
Was passiert Ihrer Meinung nach einem Scheitern der Reform? Dass sich die Politik die Mühe macht erneut eine Reform auszuarbeiten? Dass sich in Deutschland auf einmal alle Bundesländer an die so notwendige Reform unseres Bildungssystem traut? Mit Sicherheit nicht. Denn scheitert diese im Grunde unverzichtbare und mit unzähligen guten Ansätzen (http://www.zeit.de/2010/28/Schule-Hamburg) ausgestattete Reform, wird die Bildung für unsere Politik bundesweit für Jahre ein rotes Tuch sein.
Sie sprechen vom Glaubenskrieg und beteiligen sich selbst undifferenziert an ihm. Meinung ist wichtig, gut und unverzichtbar. Aber Blendung?
Dieser Artikel ist unverantwortlich. Bitte treten Sie als Ressortleiter CHANCEN der ZEIT zurück. Vielen Dank.
In Großbritannien war Radio schon immer mehr. Nicht nur Abspielstation für die Hits der 90er, 2000er und dem Besten von Heute. Radio war Unterhaltung, Radio bestand aus Shows, DJs, aus echten Producern. Selbst kleinere Lokalstation leisten sich noch heute 24-Stunden-Vollmoderation.
Ganz vorn dabei: die BBC. Gefühlt noch vor dem Internet selbst, war die britische Anstalt online. Schnell wurde der Radiobereich zu einem der wichtigsten und innovativsten weltweit. On-Demand-Streams gehörten zur Grundausstattung; seit langer Zeit sind sämtliche Radiosendungen der letzten sieben Tage aller Programme on demand zum Anhören. Erfolgreich:
wöchentlich ca. drei Millionen Unique User (!) der Radio-Streams im Mai 2009
14 Mio. Stunden an Live-Stream-Abrufen
unglaublich viele, viele, viele Podcast-Abrufe (der erfolgreichste hat im Monat 1,2 Mio. Downloads!)
Die Content-Seiten der BBC-Radiostationen speisen sich bis heute nur in den seltensten Fällen aus Textinhalten. Die Sendungen und ihre Moderatoren stehen seit Beginn im Zentrum. Kontinuierlich wurden neue Formate, zum Beispiel Podcasts (weltweit einmalig mit kommerzieller Musik) gestartet.
Digital, und wie.
Erst kürzlich proklamierte die BBC, dass “‘Radio 1′s Big Weekend’ das größte interaktive Event bisher” war. Online und auf anderen digitalen Plattformen wurde ein Event selten so massiv begleitet:
5.3 million video requests received to Radio 1′s Big Weekend website, compared to one million from last year
Six webcams were placed within the site offering live streaming of the event, creating over one million hits
Over 1.1 million people tuned into BBC Red Button coverage of Radio 1′s Big Weekend
Unique Users to Radio 1′s mobile site tripled over the weekend
Zu jeder Stunde verkündet die junge Station, dass BBC Radio 1 “digital, FM and online” empfangbar ist. Alle drei Verbreitungswege sind gleichberechtigt.
Ein sehr spannender Punkt. Schnell war klar: Online ist nicht nur “www”. Ins Internet geht es auch mit dem Handy, der Wii oder der PS3. Und überall dort sind die BBC Inhalte auch empfangbar. Im Browser klassisch über http://www.bbc.co.uk/iplayer. Und sonst:
Bei der Liste oben stellt jeder schnell fest: im Vergleich zu klassischen Radio-Empfangsgeräten hat so ziemlich jedes Internet-Empfangsgerät auch einen Bildschirm. Das merkte auch die BBC und fragte sich selbst: was passiert eigentlich auf dem Bildschirm?
Schon im Februar 2008 kam es zu ersten Überlegungen zum Thema “Visual Radio”. Im Blog wurden verschiedene Prototypen vorgestellt. Einer der interessanten war eine MashUp-Webseite, die sich zum aktuell laufenden Titel unzählige Informationen aus dem Netz holte:
Zufrieden waren die Macher noch nicht ganz. Der Autor Simon Cross schloss mit den Sätzen:
“What we need to do now is make it visually stunning (..) and work on the data to make a truly compelling offering.”
Es sollte noch das ganze Jahr 2008 vergehen eh eine Oberfläche geschaffen war, mit der die BBC am 12. Januar 2009 an den Start ging. Der Test dauerte eine Woche. Das Ergebnis lässt sich noch heute auf YouTube anschauen:
We didn’t want to radically change the way a programme is produced, or how the output is perceived by the listeners. What we did want to do is add value for a new group of listeners, and I feel at points during this trial we achieved this.
Roll on phase 2
Boom – and everybody watched Radio
Diese zweite Phase läuft zur Zeit und ist ein Knall. Vielleicht nicht der Urknall für das digitale Radio. Aber das Ergebnis ist so weit vorn, dass ich in der Redaktion mit offenem Mund saß und mir einen Zweitwohnsitz in Großbritannien wünschte (Erstwohnsitz weiterhin hier, weil unser Gesundheitssystem noch deutlich besser ist als auf der Insel).
Warum soviel? Schließlich ist das Projekt sehr teuer, technisch unglaublich aufwendig. Mark Friend schreibt:
The programmes in the trial represent a cross-section of BBC Radio output and target audiences in order to give us representative insights into how we can innovate and offer a much richer experience to those listening to their radio on a device with a screen, but without losing any quality to traditional radio output.
Weitere Highlights des neuen Players:
Widescreen-Format
Empfang auf mobilen Geräten
Textnachrichten direkt über die Konsole in Studio
weiterführende Zusatzinformationen von anderen BBC Plattformen
We’ve made a monster. We think it’s pretty cool.
We hope you enjoy it!
Take a look back – when there was still just… Radio
Wenn in Deutschland in der nächsten Woche die neue Radio MA kommt, werden alle Stationen feststellen, dass die Kernzielgruppe 14-49 sich langsam aber bestimmt vom Radio abwendet. “Bei den 14- bis 49-Jährigen ist die Reichweite allerdings erneut gefallen, diesmal von 78,1 auf 77,8%” schreibt kress.de vorab. In kleinen Schritten, aber bewegend.
Radiomacher in Deutschland haben schnell richtig erkannt, dass Radio ein Nebenbei-Medium ist. Und genauso nebenbei haben viele den Weg freigemacht für ein austauschbares Programm.
Die BBC wollte das nicht hinnehmen. Radio ist Leben, Unterhaltung und überall wo du bist. Und das Beste: du kannst nebenbei machen was du willst. Und wenn du nichts besseres zu tun hast, dann schau jetzt eben Radio.
Tom Westerholt war ein GIGA-Mann der ersten Stunde. 1998 war er Teil des Gründungsteams, Ende 2002 verließ er den Sender und arbeitet jetzt von Berlin aus unter anderem für 1LIVE.
Für morgen ist das Ende von GIGA angekündigt. Premiere zieht den Stecker und Tom erinnert sich mit ein paar kleinenfragen…
1. Wie hast du vom Ende von Giga erfahren?
Durch Zufall aus dem Internet, dann direkt über die GIGA.de Startseite
2. Kam das Ende für dich überraschend?
Leider nein, der Sender hatte ja spätestens schon seit der Übernahme durch “DasVierte” arge Probleme mit Selbstdarstellung und Finanzierung und war nicht mehr das GIGA, mit dem ich 1998 angefangen hatte. Es sind zu wenig gute Ideen investiert worden, das hat sich am Ende gerächt.
3. Das Konzept von GIGA wurde ständig verändert. Welche Phase hat dir besonders gefallen?
Mir hat am besten die Phase von 1999 bis 2002 gefallen. Da hatten wir nach ein paar Monaten Rumprobieren seit Beginn der Sendung viel dazu gelernt, es kam das phantastische GIGA GAMES hinzu, das war eine sehr innovative Phase. Ich bin fest davon überzeugt, dass GIGA auch heute noch funktionieren würde, wenn man eben gerade das Konzept nicht dauernd über den Haufen geworfen hätte. Eine stete Weiterentwicklung hätte vollkommen ausgereicht.
4. Was hat GIGA deiner Meinung nach im Internet und im Fernsehen bewegt?
Es war die erste, richtig große Community im Deutschen Fernsehen und im deutschen Internet. Das war schon massiv, was wir damals mit einer Handvoll Leute auf die Beine gestellt haben. Über 1 Million Community-Mitglieder über die Zeit ist schon eine Hausnummer. Ich denke wir waren die ersten, die das Internet in der Form ins Fernsehen gebracht und wirklich publik gemacht haben. Lange bevor es Sendungen wie “WWW”, “Darüber lacht die Welt”, “Das Fundstück der Woche” und andere Programmelemente gab.
5. Wie ist der Konakt zu den ehemaligen Kollegen?
Unregelmäßig, das ist aber nicht schlimm. Ich bin mit keinem meiner ehemaligen Kollegen im Streit auseinander gegangen, war aber auch nur wenigen Kollegen wirklich befreundet. Wenn man sich fünf Tage die Woche acht Stunden pro Tag in einem Studio auf der Pelle sitzt, muss man nicht auch noch die Freizeit miteinander verbringen. Mit Gregor (Teicher) hab ich noch regelmäßigen Kontakt, mit Miriam (Pielhau) hin und wieder.
6. Was geht mit GIGA verloren?
Heute eine zuletzt für mich völlig undurchschaubare, planlose und unorganisierte Sendung, die kein erkennbares Konzept mehr hatte. Grundsätzlich: eine ehemals sehr gute Idee.
7. GIGA war in letzter Zeit komplett zum E-Sports/Spiele-Sender mutiert. Wie könnte Gaming-TV zukünftig im deutschen Fernsehen aussehen?
Wenn sich ein Sender findet, der sich daran traut, sehr vielseitig. E-Sports gewinnt mehr und mehr Fans. Man könnte also tagsüber in erster Linie das machen, was wir damals auch schon gemacht haben, nämlich neue Spiele und neue Games-Hardware rezensieren und für die Leute einordnen. Exklusive Spielausschnitte zeigen die noch keiner kennt, neue Spiele vorstellen. So, wie es die Musiksender mit der Musik machen. Abends, speziell am Wochenende, könnte man dann die großen Turniere live übertragen, das macht sonst keiner (im Web ja, aber nicht im Fernsehen). So moderiert, wie wir es vom Fußball kennen, mit Moderator, Reportern, Kommentatoren.
Es dankt, wie immer, tausendfach: ich.
Es gibt noch eine kleine Aktion, die versucht GIGA in den KiKa zu holen.
Und dann gibt es noch die GIGA-History-Seite mit Wiki. Und die GIGA-Community bleibt online. Ich hatte damit nie etwas am Hut, fand es immer nett zu sehen – als es grün im Fernsehen war und junge Menschen Spaß hatten anderen jungen Menschen Sachen aus dem Internet vorzulesen und gegeneinander zu spielen.
RTL hat tatsächlich eine wahnsinnig gute Comedy-Sendung im Programm: “TV Helden” läuft noch einmal diesen Samstag irgendwann sehr spät und es muss geschaut werden. Selten war ich so von einer ersten Sendung überzeugt. Hier ein Ausschnitt:
Irre! Der links heißt Jan Böhmermann und macht Dinge beim WDR und der rechts heißt Pierre M. Krause ist ein alter Weggefährte aus SWR-Zeiten und unglaublich lustig, talentiert und unterrepräsentiert im deutschen Fernsehen.
Zeit für kleinefragen an ihn und zur Sendung, die sehr ehrlich beantwortet werden.
Es danke, wie immer, tausendfach: ich. Bitte Samstag RTL einschalten.
1. Der Weg bis zur Show war lang und hart. Warum hat es so lange
gedauert, bis die erste Folge auf Sendung ging?
Der Sender hat sich Zeit gelassen und den richtigen Augenblick abgewartet. So will ich es mir zumindest vorstellen. Den Piloten zu den Helden haben wir jedenfalls schon vor weit über einem Jahr abgedreht. Dann war es lange still. Und dann mussten plötzlich zwei neue Folgen her und wir drehten im Akkord. Die Sendung wird übrigens von Friedrich Küppersbuschs Produktionsfirma “Probono” produziert. Thomas Pommer (ehmemals NDR “extra3″) leitete das Projekt. Für mich einer der ausschlaggebenden Gründe, das zu machen. Gute Leute!
2. Was für eine Quote will denn Anke S. sehen, damit die Show weitergeht?
Das weiß ich nicht und es interessiert mich auch nicht. Die Quote der ersten Sendung (1,92 Mio. Zuschauer) war gut. Allerdings dann noch nicht so gut. Also eher schlecht, wenn man bedenkt, dass das Finale des Dschungelcamps davor 4,6 Mio. Zuschauer an die Empfangsgeräte bannte. Ich denke, es wird bei diesen beiden Folgen bleiben, wenn die zweite Ausgabe nicht einen Quotenhype erlebt. Wir sind hier eben bei RTL. Und ich verstehe das sogar. Umso mehr weiß ich, was ich am Öffentlich-Rechtlichen habe, wo ich ja noch wöchentlich meine Lateshow beim SWR mache. Mit wesentlich weniger Zuschauern, aber dafür wesentlich mehr Entwicklungsfähigkeit.
3. Die erste Folge “TV Helden” war unglaublich gut. Was hatte am
meisten Überwindung gekostet?
Die Zuschauer nicht mit “Liebe Gebührenzahler” zu begrüßen. Und die Lügen. Man schlüpft als Held ja in verschiedene Rollen, um etwa einem Bahnsprecher glauben zu machen, der richtige Interviewer kommt gleich. Den dann so lange hinzuhalten – ohne sich zu verraten – das ist nicht so einfach. Aber es lohnt sich – die “Opfer” haben es ja meist verdient.
verschluckt.
5. Viel wichtiger: was würdest du gerne in der dritten Folge machen?
Einen Verkehrspolizisten im Diminutiv redend davon überzeugen… Ich mache mir darüber erst Gedanken, wenn es eine dritte Folge geben sollte.
6. Angenommen ihr werdet erfolgreich und berühmt. Also so richtig. Dann funktionieren so Sachen, wie der 1. türkische Karnevals-Verein doch gar nicht mehr. Das wäre doch blöd, oder?
Das Problem hatte ich schon bei den Drehs zu den beiden Folgen jetzt. Ich bin zwar alles andere als berühmt, aber 6 Jahre regelmäßige Fernsehpräsenz (selbst beim SWR) hinterlässt eben doch Spuren. Das gehört zu diesem Helden-Format auch dazu: Das Scheitern. Ein paar Drehs klappten tatsächlich nicht, weil man mich erkannte. Sollten wir dann richtig berühmt sein (Hahahahahahaaaa!) – also sollten wir dann richtig berühmt (Muhhahahahahaahahahahaaa!!!) – Verzeihung. Also… ach, was weiß denn ich?! Ja, ganz klar: Diese Sendung mit uns als Protagonisten ist zeitlich beschränkt – irgendwann geht es eben nicht mehr. Oder wir drehen im Ausland.
7. Wer hat es zur Zeit verdient verarscht zu werden?
Dr. Oetker.
8. Was soll denn mal Herr Schmidt machen, wenn Pocher endlich wieder weg ist?
Zunächst überlegen, ob er denn überhaupt noch Lust hat, etwas zu machen. Derzeit macht er den gegenteiligen Eindruck. Schmidt ist ohne Pocher besser – keine Frage. Und das geht überhaupt nicht gegen Pocher. Der hat ja auch seine Qualitäten. Aber gegenüber Harald Schmidt wirkt er nun mal klein und dümmlich. Wie so viele gegenüber Schmidt klein und dümmlich wirken würden. Schmidt soll Latenight machen. So lange er nicht gegen mich sendet.
9. Ernste Frage: könntest du dir TV Helden auch in der ARD vorstellen?
Ernste Antwort: Ich bin der festen Überzeugung, dieses Format ist eigentlich ein öffentlich-rechtliches Format. Es ist Satire. Satire sollte alles dürfen und frei von wirtschaftlichen Interessen eventueller Werbepartner sein. So etwas kann nur beim öffentlich-Rechtlichen gewährleistet werden. Leider kann es so etwas aber bei der ARD nicht geben, weil die zu sehr mit Selbstverwaltung beschäftigt ist. Die ARD fördert leider keine Talente und schon gar keine aus dem eigenen Hause. Und es wird nicht gehen, weil Florian Silbereisen kein Held ist. Da ist RTL eben näher am Zeitgeist, schneller und wesentlich moderner. Von der prinzipiellen Überzeugung bin ich allerdings ein Fan des Öffentlich-Rechtlichen und würde mir wünschen, dass sich in der ARD irgendwann irgendetwas bewegt. Das ist naiv, ich weiß…
Schlussendlich ein sensationelles Video aus PMKs Latenight-Show im SWR Fernsehen.
Leider nein. Das würden wir auch sehr gerne tun. Die Voraussetzungen in den USA sind aber anders. Und zwar haben sich dort die Internet-Service-Provider bereit erklärt, bei Urheberrechtsverletzungen im Internet Warnhinweise zu verschicken, bevor man den juristischen Weg geht. Dieser Weg ist uns in Deutschland leider noch verwehrt. Deswegen müssen wir leider an unserer Strategie festhalten Internetpiraterie juristisch zu verfolgen.
2. An wem scheitert es denn?
Es scheitert ein bisschen an der Politik und es scheitert ein bisschen an der Bereitschaft der Internet-Service-Provider diesen Weg der Warnhinweise zumindest mal zu versuchen und zu testen, ob nicht die Mehrzahl der User, es bleiben lassen würde, wenn man einen Warnhinweis verschickt. Umfragen in England und Frankreich haben gezeigt, dass 70 – 90 Prozent ihr illegales Tun dort einstellen würden. Wir würden diesen Weg in Deutschland gerne testen. Aber bisher konnten wir weder mit den Providern, noch mit der Politik einen Schritt weiterkommen.
3. Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten: Massenklagen oder Warnhinweise. Gibt es denn keinen dritten möglichen Weg?
Wir haben ja schon sehr viele “dritte Wege” versucht: Bevor wir beschlossen haben, juristisch gegen Internetpiraterie vorzugehen, haben wir es mit Aufklärungskampagnen versucht. Die haben leider wenig gefruchtet. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass der juristische Weg erfolgreich ist: die illegalen Downloads sind von 2004 bis zum letzten Jahr um ca. 50 Prozent zurückgegangen. 2004 waren es noch 600 Millionen, im letzten Jahr waren es noch um die 300 Millionen. Das heißt: die Strategie ist erfolgreich; solange es keine Alternative gibt, werden wir diesen Weg weitergehen müssen.
4. Was erhofft sich denn die Musikindustrie in Deutschland von diesem Jahr?
Ich glaube wir blicken, wie immer, optimistisch in das Jahr. Musik ist nach wie vor stark gefragt. Ich sage immer: wir haben kein Produktproblem sondern wir haben ein Abrechnungsproblem. Ich denke das Jahr ist gut gestartet mit der Verkündung, dass jetzt bei iTunes die Songs ohne Kopierschutz gekauft werden können. Ich glaube, es gibt eine Vielzahl von Musikangeboten, die die Konsumenten heute nutzen können. Die Preise sind recht günstig. Und wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass der Digitalmarkt extrem stark wächst und wir hoffen, dass das auch in diesem Jahr wieder der Fall ist.
5. Ist die Kultur-Flatrate für Sie noch ein Thema?
Die “Kultur-Flatrate”, so wie sie oft gemeint ist, ist kein Thema. Die “Kultur-Flatrate” ist ja eine Art GEZ. Das heißt, alle müssten dafür bezahlen, aber nicht jeder würde es unbedingt nutzen wollen. Es gibt ja auch durchaus privatwirtschaftlich organisierte Modelle, die quasi einem Flatrate-Modell entsprechen: zum Beispiel “Nokia Comes With Music” das im letzten Jahr in England gestartet ist. Das heißt, man kauft ein Mobiltelefon und erwirbt damit gleichzeitig das Recht ein Jahr lang aus einem riesigen Reportoire von Musik unbegrenzt Musik herunterladen zu können. Ich glaube, dass das ein Weg sein kann, wie Musik in Zukunft verkauft und vertrieben wird. Wir glauben aber, dass das wenig hilfreich ist, wenn das quasi staatlich verordnet wird. Sondern wir setzen eher darauf, dass solche Angebote von der Industrie selber geschaffen werden und sich der Konsument entscheiden kann, ob er solche Flatrate-Angebote nutzen möchte oder ob er doch lieber einzelne Stücke kauft.
Es dankt, wie immer, tausendfach: ich
Weiterführende Links
Es gab – Aufgrund der Midem – eine breitere Berichterstattung zum Thema MUSIK 2.0, Internet und so.
Die eindeutig bekloppteste Idee kommt wohl aus Österreich:
“Mehr drin, mehr dran, mehr drauf” sei bei der CD als etwa bei Musikkäufen im Internet, suggeriert die am Donnerstag offiziell gestartete Kampagne. Auf vorerst 1.500 Plakaten in ganz Österreich und ab März auf 200 “City-Lights” sollen die Vorzüge der Silberscheibe herausgestrichen werden: Diese reichen von der unkomprimierten Musik über “Zusatzfeatures” wie Booklets und Fotos bis hin zum “haptischen Element” eines Produkts zum Sammeln, so Medwenitsch.
“Comes with Music” nennt Nokia einen Dienst, der die Kosten für die Downloads im Geräte- und Mobildienst-Preis versteckt. Erste Konkurrenten werden im Laufe des Jahres nachziehen. Die Kunden aber, behauptet die oben erwähnte Studie des Marktfoschungsunternehmens The Leading Question, wünschen sich etwas ganz anderes: 46 Prozent der 1300 Befragten in mehreren europäischen Kernmärkten wünschen sich, ihren Musik-Obolus pauschal einfach mit der Provider-Rechnung zu entrichten. Das wäre offenbar bequem.
Wie jeder Student der Wirtschaftswissenschaften im ersten Semester lernt: Der Marktpreis ist ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Mit steigendem Angebot sinkt der Preis Richtung Null. Digitale Kopien der Dateien werden nie aufgebraucht sein. Das Angebot von Musikaufnahmen ist also unendlich, Angebots- und Nachfragekurve treffen sich in einem solchen Fall bei einem Preis von Null. Der Preis wird sich deswegen über die Zeit auf Null zubewegen.
Marcel bekommt dafür ordentlich eins auf dem Deckel und sieht sich in einem zweiten Artikel gleich noch einmal genötigt Stellung zu beziehen.
So machte es Anfang 2008 auch die US-Songwriterin Jill Sobule, die nach mehreren Vertägen mit einem Major und mehreren Bankrott gegangenen Indie-Labels die Nase voll hatte. Sobule überlegte sich gestaffelte Beiträge: für 500 Dollar wird der Name in einem Song erwähnt, für 5000 gibt’s ein Konzert daheim und der ultimative Fan kann für 10.000 Dollar gleich mitsingen. Mit Autotune-Nachbearbeitung klang das dann auch gut, sagte Sobule.
In “Türkisch für Anfänger” spielt sie eine Türkin aus Überzeugung. Im Tatort am Sonntag spielte sie eine Türkin, die sich in einen Österreicher verliebt hat, obwohl ihr Vater sie in der Türkei zwangsverheiraten will.
Eigentlich ist Pegah Ferydoni Iranerin, singt und wird in diesem Jahr noch in zwei Filmen zu sehen sein.
(Frage 4 fand ich später so doof, dass ich Frage 4.1 noch nachschob, aber da Frau F. mich so schön abwatschte für die doofe vierte Frage, lass ich das mal so stehen )
1. Du wurdest in Teheran geboren, bist dann mit zwei Jahren nach Deutschland gekommen. In deinem Song “Berlin” (zu hören auf MySpace) singst du “Berlin ick liebe dir” – welche Beziehung hast du noch zum Iran?
Der Iran ist das Sehnsuchtsland meiner Eltern, es wäre ein Schock für sie zu sehen, wie sich das Land in den letzten 25 Jahren verändert hat. Der größte Teil meiner Familie lebt dort. Doch ich habe keinen Kontakt zu ihnen. Ich kenne das Land nur aus Erzählungen und aktueller Tagespresse. Daher ist Berlin so wichtig für mich. Hier bin ich aufgewachsen. Hier ist meine Heimat.
2. Du spielst in “Türkisch für Anfänger” eine Türkin. Wie unterscheidet sich eine türkische Familie von einer iranischen?
Gegenfrage: Was unterscheidet eine türkische Familie von einer deutschen? Lieben die ihre Kinder weniger? Da muss man aufpassen. Genauso wenig wie es die “die Deutschen” gibt, gibt es “die Türken”, “die Iraner” usw.
3. Wie sehr beeinflusst dein Glaube heute noch dein tägliches Leben?
Ich bin nicht “gläubig” erzogen worden, was immer das heisst. Meine Eltern stammen aus einem islamischen Kulturkreis, waren in ihrer Jugend Kommunisten, zeit ihres Lebens Atheisten und sind stolz auf die Errungenschaften der “Persischen Kultur” und die alt-iranische Religion der Zoroastren.
Die schönste Zeit meiner Kindheit habe ich im Evangelischen Kirchenchor verbracht. Ich bin Berlinerin.
4. Im aktuellen Tatort spielst du eine Tochter, die mit einem Deutschen zusammen ist aber in die Türkei Zwangsverheiratet werden soll. Was hast du für ein subjektives Gefühl, wie die Integration in Deutschland funktioniert?
Ich weiss nicht, was der Begriff “Intergration” vermitteln soll. Ich kenne nur “Dialog”.
4.1 Wie sehr nervt es dich, dass die Leute sofort den Glauben sehen, wenn jemand aus dem islamischen Kulturkreis nach Deutschland kommt und einen förmlich vorverurteilen – auch wenn man diesem Glauben genauso fern ist? Oder hast du das Gefühl, das ist gar nicht so?
Seit ich denken kann, muss ich gegen Vorurteile ankämpfen. Ich begegne ihnen seit 9/11 24/7 (;-). Manchmal treibt es mich zur Verzweiflung, manchmal möchte ich auswandern. Gerade als Schauspieler ist man Projektionsfläche. Auch wenn es etwas zynisch ist, aber ich versuche es als Kompliment zu nehmen, dass die Leute mich mit meinen Figuren verwechseln und Angst vor deren Gedanken haben.
5. Kann ein Charakter, wie Lady Bitch Ray irgendwie dabei helfen, dass sich die islamische und die christliche Kultur in Deutschland besser verstehen? Oder schämst du dich eher für diese Figur?
Um sich für jemanden zu schämen, müsste man sich mit ihm indentifizieren können. Das tu ich nicht. Jemand wie Lady Bitch Ray ist ein Medienphänomen und steht nicht für die islamische Kultur. Ich fände sie auch provokant, wenn sie “Deutsche” wär.
6. Wo können wir dich in diesem Jahr noch sehen?
Zwei Kinofilme: “Summer 1953” von Shirin Neshat und “Ayla” von Su Turhan.
Seit Al Gore ist alles ein wenig eigenartig auf dieser Welt. Seit seinem Film “Eine unbequeme Wahrheit” muss, soll, kann, schützt jeder das Klima. Es geht um nichts weniger als uns!
Und am liebsten kümmern sich junge, agile, mutige, gutaussehende, intelligente Leute um das Klima. Achja, kaufkräftige und – die scheinen dem Utopia-Vermarkter “Orangemedia” sehr wichtig – die Meinungsbildenden. Die, auf die wir Normales hören.
Daran ist nichts überraschend oder gar schlimm. Irritierend ist nur, dass sich plötzlich genau aus diesem Grund jeder den grünen Daumen anklebt. Bestes Beispiel: Der Energieriese BP “powered” das SpiegelOnline-Special “Erneuerbare Energien”.
Das ist doch nur Masche, Marketing und medienwirksam, oder?
Ich weiß es nicht – fragen wir doch mal Greenpeace.
Herr Jürgen Knirsch, Handels- und Globalisierungsexperte bei Greenpeace , hat sich die Zeit genommen mir ein paar Fragen zu beantworten. Er bringt bezeichnende Beispiele, klärt über die Lage der Naturschutzorganisationen auf und zeigt wie schwierig es ist auch nur annährend klimabewusst zu konsumieren.
Vielen Dank!
1. Über Jahre war es für Naturschutzorganisationen und -bewegungen schwierig, finanzielle Unterstützung von großen Konzernen zu bekommen. Hat sich das in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich geändert – und falls ja, wie wird das deutlich?
Zunächst ist festzuhalten, dass nicht alle Natur- und Umweltschutzorganisationen eine finanzielle Unterstützung von Unternehmen wollen. So schließt zum Beispiel die Fundraising-Ethik von Greenpeace International diese Geldquelle eindeutig aus:
“Greenpeace bemüht sich weder um finanzielle Unterstützung, noch akzeptiert die Organisation Spenden von Regierungen, Unternehmen, politischen Parteien oder multinationalen Regierungsorganisationen wie z. B. den Vereinten Nationen oder der Europäischen Union.
Greenpeace nimmt keine Spenden an, die die Ziele, die Unabhängigkeit, die Werte oder Integrität der Organisation beeinträchtigen könnten, noch bemüht sich Greenpeace um solche Gelder”.
Nicht alle anderen Umweltorganisationen wollen und können einen Weg wie den von Greenpeace gehen. Wer sich die Internetauftritte vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) oder des Deutschen Naturschutzrings (DNR) anschaut, wird dort keine bis nur wenig Hinweise auf Kooperationen mit Unternehmen finden. Dagegen listet der Naturschutzbund Deutschland (NABU) einige Partner aus der Wirtschaft auf und verfügt der WWF über eine beeindruckende Liste von mehr als vierzig Kooperationen mit Unternehmen:
“Der WWF arbeitet mit namhaften Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen erfolgreich zusammen. Mit jedem Unternehmen geht die Umweltstiftung eine individuelle Kooperation ein. Manchmal bietet sich nur die Gelegenheit für eine kurzfristige Promotionsaktion. Häufiger engagieren sich die Unternehmen jedoch langfristig”.
Aus Sicht der ersten vier genannten Organisationen lässt sich die Frage also anders beantworten als aus dem Blickwinkel der beiden zuletzt zitierten.
2. Der Imagegewinn für die Firmen durch solche Partnerschaften ist immens. Verbirgt sich dahinter aber nicht oftmals nur eine Beschönigung der Bilanzen – frei nach dem Motto: “Seht her, wir haben für Betrag X folgende Projekte unterstützt. Das ist unser Beitrag zum Klimaschutz”. Oder tun die großen Konzerne in den letzten Jahren tatsächlich deutlich mehr für den Klimaschutz?
Wenn ein Autokonzern wie VW gleichzeitig mit einem Umweltverband Spritspartage durchführt, Werbung für sogenannte Biokraftstoffe schaltet, die weder “bio” noch klimaschützend sind, und Berühmtheiten wie Topmodel Heidi Klum und ihren Gatten, den Popsänger Seal, mit nicht gerade spritsparsamen VW-Tiguan-Modellen (“Der Tiguan überschreitet Grenzen. Kraft und Wirtschaftlichkeit. Kompaktheit und Raum. Zivilisation und Wildnis… In ihm verschmelzen die Eigenschaften eines kompakten SUV (Sports Utility Vehicle) mit dem Design eines echten Sportwagens.”) -lustvoll durch Los Angeles rasen lässt – welche Botschaft hinsichtlich Klimaschutz sendet dann der Konzern aus? Zumindest die, dass jede Zielgruppe bedient wird.
Im Jahre 1988 hat die REWE-Group als erster Supermarkt ein eigenes Bio-Sortiment in die Regal gebracht. Zwanzig Jahre später verkündete das Unternehmen, dass es zukünftig den Strom für seine bundesweit mehr als 6000 Märkte und Reisebüros komplett aus erneuerbaren Energien beziehen wird. Damit würde REWE nach eigenen Angaben zum größten Nutzer von Ökostrom in Deutschland werden. “Wir haben aus der Klimaschutzdebatte Konsequenzen gezogen und die Initiative ergriffen”, erläuterte Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender der REWE Group, am 21. Januar auf der Grünen Woche in Berlin diesen Schritt des Unternehmens. Womit Herr Caparros nicht zitiert wurde, ist die Tatsache, dass REWE an der EHA Energie-Handels-Gesellschaft, die den Grünstrom für REWE liefert, auch beteiligt ist. So profitiert der Konzern auch direkt wirtschaftlich von seiner Klimaschutzentscheidung. Ist diese deshalb weniger wertvoll?
Welche Schlüsse lassen sich aus beiden Beispielen ziehen? Ja, es tut sich was! Ja, man kann auch mit Klimaschutz auch Geld machen! Ja, die Geschichte wiederholt sich, und das, was nach der Rio-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung im Jahre 1992 “die Nachhaltigkeit” war, ist nach den alarmierenden Berichten des Weltklimarats “der Klimaschutz”. Werden deshalb die großen Herausforderungen (wie umgehen mit den Problemen Arbeitsplätze, wirtschaftliches Wachstum, nachhaltiger Konsum, Umweltschutz und globale Gerechtigkeit in Zeiten des Klimawandels) in Ansätzen angegangen? Leider nein oder nur in zu kleinen Schritten.
3. Wie kann ich als Verbraucher denn erkennen, ob mich meine subjektive Empfindung nicht täuscht und eine Firma wirklich umweltbewusst wirtschaftet?
Der erste Schritt ist, bei sich selbst anzufangen und sich die Frage zu stellen: brauche ich das Produkt oder die Dienstleistung des Unternehmens tatsächlich?
Der zweite Schritt ist schwieriger: Denn was heißt es genau – auf das fragliche Produkt oder die Dienstleistung bezogen – “umweltbewusst” zu wirtschaften? Ein Mobilfunkunternehmen kann seine Mobiltelefone in Recycling-Kartons verpacken, die Gebrauchsanweisung auf Umweltschutzpapier drucken, ein Solar-Ladegerät mitliefern und einen sogenannten klimaneutralen Handy-Tarif anbieten – und dennoch “die andere Seite der digitalen Revolution” unberücksichtigt lassen – die Arbeitschutz- und Menschenrechtsverletzungen wie auch Umweltbeeinträchtigungen, die mit dem Abbau von Coltan verbunden sind. Das Erz Coltan dient als Ausgangsprodukt zur Herstellung von Tantalpulver, Tantalpulver wird wieder zur Produktion von Elektrolyt-Kondensatoren, die z. B. in Handys und Computern eingesetzt werden, benötigt.
Sicherlich ist es im Internet-Zeitalter einfach, sich über Produkte, Dienstleistungen und Unternehmen und deren Folgeerscheinungen ausführlich zu informieren. Zur Verfügung stehen auch weiterhin die klassischen Wege und Beratungsangebote (der Verbraucherzentralen und Umwelt- und Verbraucherorganisationen und neuerdings auch der LOHAS-Strukturen) wie auch die Printprodukte der Stiftung Warentest oder von Ökotest. Diese Informationsangebote sind jedoch nicht für alle Produkte und Dienstleistungen vorhanden oder – wenn doch verfügbar – auch nicht immer umfassend oder widerspruchsfrei.
Wer keine Zeit für Recherchen hat, dem bleibt zur Zeit das “Bauchgefühl”. Oder jemand bemüht sich, eine Finanzierung für die Wiederbelebung und Aktualisierung der “Unternehmenstester” sicherzustellen. In den neunziger Jahren verschafften diese in Anlehnungen an das amerikanische Vorbild als Taschenbücher erschienenen Ratgeber für den verantwortlichen Einkauf einen guten Überblick über die Produkte ausgewählte Branchen (Lebensmittel, Kosmetik, Körperpflege und Waschmittel).
4. Der Spiegel lässt sein Spezial “Erneuerbare Energien” von BP “powern” (zum Special hier entlang) und Utopia.de wird vom Otto-Konzern finanziert. Ist das für Sie eine scheinheilige Umverteilung des Werbeetats oder sind Sie froh, dass Projekte wie Utopia dadurch erst entstehen können?
Sicherlich wissen Unternehmen über den Stellenwert von Homepages im Web 2.0 – Zeitalter wie auch über die Möglichkeit, über digitale Medien auch unterschwellige Botschaften zu vermitteln. Wichtig ist, dass Transparenz vorherrscht, d.h. dass die Geldquellen deutlich ausgewiesen sind, und dass die Unternehmen keinen direkten Einfluss auf die Inhalte der Homepages und Internetportale nehmen können. Sofern dies gegeben ist, spricht nichts dagegen, dass Informationen zu erneuerbaren Energie oder zum kritischen Konsum auch dank derartiger Geldquellen verfügbar sind. Fraglich ist jedoch, ob sich “die Schere im Kopf” bei den Redakteurinnen und Redakteuren auch dann vermeiden lässt, wenn kritische Informationen über die Aktivitäten der Geldgeber vorliegen.
Es danke, wie immer, tausendfach: ich.
Herr Knirsch hat mir noch die Quellenangaben überlassen. Bitteschön:
In Südafrika kam es in den letzten Wochen immer wieder zu gewaltsammen Übergriffen auf Ausländer. Zehntausende mussten flüchten, wie sich hier bei Reuters nachlesen lässt. Jetzt wird kaum noch darüber berichtet.
Zeit zum Nachfragen – Stefan Eggers lebt und arbeitet in Südafrika.
1. Fühlen Sie sich zur Zeit in Kapstadt sicher?
Eigentlich fühle ich mich in Kapstadt sicher bzw. habe ich nicht das Gefühl, das sich die Sicherheitslage für mich in den letzten Wochen verschlechtert hat. Ich wohne und arbeite in relativ sicheren Vierteln, so dass sich bis auf die immer bestehende Möglichkeiten von Einbrüchen und Überfällen an sich nichts verändert hat. Es herrschte während der Unruhen gelegentlich gespannte Atmosphäre, doch ich selbst war nie Ziel von Aggressionen.- Andererseits wurde eine mir bekannte Südafrikanerin völlig unvorhergesehen bedroht, als sie im Gespräch bekannte, dass ihre Eltern aus Swasiland stammen – dabei hat sie eine südafrikanischen Pass und hat ihr bisherigen Leben hier verbracht. Zielscheibe der Unruhen waren eindeutig Ausländer aus anderen afrikanischen Ländern.
2. Was für Leute – aus welchen Schichten – sind dass denn, die zur Zeit gewalt bereit sind und gegen die illegalen Ausländer vorgehen?
Die Gewalt ist in den Townships ausgebrochen, zuerst bei Johannesburg, und hat dann über weitere Teile des Landes übergegriffen. Hier sind es vor allem arme Menschen, die meist über eine geringe Bildung verfügen und sich vom Zustrom der Einwanderer aus den Nachbarländern bedroht bzw. noch mehr benachteiligt fühlen. Sie haben das Gefühl, dass Ihnen Arbeitsplätze und Aufstiegschancen von den Einwandern weggenommen werden. Oft ist es auch so, dass die Zuwanderer für geringe Löhne arbeiten gehen und z.T. über eine hohen Bildungsstand verfügen. Dabei ist zu sagen, dass beispielsweise der große Flüchtlingszustrom aus Simbabwe lange bekannt war und die Regierung es versäumt hat, hier aktiv zu werden um die Situation vorausschauend zu regeln und Spannungen abzubauen. Oft sind es auch politische Flüchtlinge, so dass es mir problematisch erscheint allgemein von illegalen Ausländern zu sprechen. Die Unruhen zeigen auch große soziale Spannungen im Land, wo viele Einflüsse eine Rolle spielen.
3. Wie sicher sind denn Ausländer in Südafrika im Allgemeinen? Im TV sieht man ja gerne Bilder vom Auswander-Paradies mit riesigen Siedlungen in den Hügeln von Kapstadt.
Ein umfassendes Urteil kann ich mir nicht erlauben, da ich eigentlich nur die Lage in und um Kapstadt kenne. Hier muss man unterscheiden, da sich die jüngste Gewalt vor allem gegen “schwarze” Zuwanderer richtet und z.B. “weiße” europäische Zuwanderer davon meines Wissens nicht betroffen waren. Bedroht, angegriffen, getötet und vertrieben wurden Zuwanderer aus anderen afrikanischen Ländern wie Somalia, Simbabwe, Mozambique. Mitunter auch solche, die schon lange im Land leben und sich durch Läden und Geschäfte etc. eine Existenz aufgebaut haben. Doch es geschehen viele Gewaltverbrechen in Südafrika; (anscheinend) glaubwürdige Zahlen besagen, dass 90% der Verbrechen in den townships passieren, von denen man meist nichts mitbekommt.
4. Zur Zeit ist es ein wenig ruhiger in Kapstadt – was glauben Sie wie wird der Konflikt in den kommenden Wochen weiterverlaufen?
Die nun wieder vertriebenen Flüchtlinge müssen in den Camps mit Lebensmitteln und Kleidung versorgt werden, die meisten haben alles verloren. Außerdem ist es Winter und nachts kalt. Viele wollen nicht mehr zurück, weil sie sich einfach nicht mehr sicher fühlen und um ihr Leben fürchten. In Ihren Heimatländern ist die Situation meist auch nicht besser, sie haben ihre Heimat ja nicht grundlos verlassen. Die Sicherheitslage hat sich wieder beruhigt, die Übergriffe vorbei. Schließlich wurde auch die Armee eingesetzt. In einigen Viertel baten die Bewohner die “Ausländer” um Vergebung und darum, dass sie in zurückkehren. Auf jeden Fall ist Südafrika geschockt. Die Regierung muss sich von allen Seiten Vorwürfe gefallen lassen, zu spät und halbherzig reagiert zu haben, in der Zuwanderungsfrage sowie bei den Ausschreitungen. Insbesondere Thabo Mbeki steht massiv in der Kritik, auch weil er nicht direkt vor Ort war und sich erst spät und über das TV an das Land gewandt hat. Die Ausschreitungen haben ein großes soziales Problem sichtbar gemacht; eine aktuell veröffentlichte Studie brandmarkt Südafrika als das ausländerfeindlichste Land weltweit, i.S.v. das Land, dass Zuwanderern gegenüber am negativsten eingestellt ist. Die Gesellschaft wieder zusammenzuführen wird sicher nicht einfach. Südafrika sieht sich gern als “rainbow nation” aller Bevölkerungsgruppen – diese Vision hat auf jeden Fall einen schlimmen Dämpfer erhalten, die schwere nationale Krise muss erst einmal bewältigt werden.
Mehr Infos zum Thema (auf englisch) finden sich bei der Times aus Südafrika. Hier klicken.
Hamburg letztes Wochenende. Ein Flugzeug landet. Davor hat das Flugzeug schon einmal versucht die Landebahn zu treffen, ist aber knapp gescheitert. Dann tauchte ein Video vom ersten Landeanflug auf und die “Beinahekatastrophe” diente N24 und N-TV am Montag als Programmfüller. (hier klicken um das Video zu sehen)
Jetzt wird diskutiert, ob die schöne Pilotin wirklich hätte landen dürfen. Und noch vieles mehr.
Cyrus Sadri ist selbst Co-Pilot und am gleichen Tag auch in Hamburg gelandet.
Er klärt auf, wie oft so ein Co-Pilot (schön oder nicht schön) landen darf oder soll, ab wann wir Passagiere uns Sorgen machen müssen und wie hart so eine Pilotenausbildung eigentlich ist.
deshalb heute: kleinefragen an Cyrus Sadri
Sehr sehr sehr sehr spannend!
1. Wie oft bist du denn schon mit einem Flieger wieder durchgestartet kurz vor dem Aufsetzen? Und: Kommst du dabei aus der Ruhe oder gehört das zum Standardreportoire?
Bisher bin ich erst dreimal in meiner Verkehrsfliegerlaufbahn durchgestartet. Also etwa einmal pro Jahr. Im Simulator oder in der Ausbildung macht man es aber andauernd. Deshalb ist es eigentlich nicht schlimm und ein routinierter Vorgang, bei dem man allerdings feuchte Hände bekommt. Die Gründe waren bei mir aber bisher immer nur “runway blocked”. Es befand sich also noch ein anderes Flugzeug auf der Bahn. Etwas ganz anderes ist es, wenn man in Bodennähe oder sogar nach dem Aufsetzen durchstarten muss. Bei der Geschwindigkeit (je nach Gewicht 200-250 km/h) kann dann ziemlich viel Beton und Stahl im Weg stehen. Das ist dann nicht mehr lustig.
2. Wie oft fliegt eigentlich der Co-Pilot den Landeanflug?
Jedes zweite Mal. Das ist eine Standardregel. Manchmal sogar öfter. Wenn in einem Dienst eine ungerade Fluganzahl ist, dann läßt der Kapitän dem Co-Piloten in der Regel den Vortritt. Das wird immer vor dem Dienst im Briefing besprochen. Einzige Einschränkung: Bei starkem Nebel findet beim Airbus und anderen großen Verkehrsflugzeugen eine automatische Landung statt, die wird immer vom Kapitän durchgeführt.
3. Ab wann sollte ich mir denn als Passagier mir Sorgen machen?
Eigentlich sollte man sich als Passagier nie Sorgen machen. Mitteleuropäische Cockpitbesatzungen sind allerbestens ausgebildet und regelmäßig trainiert. Als Passagier kann man sowieso überhaupt nichts machen, außer seinen Gurt fest anzuziehen und den Anweisungen der Besatzung zu folgen. Wir müssen alle sechs Monate für zwei Tage in den Simulator und jeweils vier Stunden lang ausschließlich Fehler und Ausfälle trainieren. Das ist anstrengend, gibt aber auch ein sicheres Gefühl. Als Passagier kann man in der Kabine die Lage nicht einschätzen. So können Turbulenzen zum Beispiel für den Passagier sehr unangenehm sein und Ängste erzeugen, ohne eine Gefahr für den Flug darzustellen. Hingegen einen Triebwerksausfall, der auf jeden Fall eine gefährliche Notsituation ist, bekommt der Passagier normalerweise garnicht mit.
4. Der Fall in Hamburg: War das jetzt was außergewöhnliches oder erscheint uns das nur als Video so wahnsinnig gefährlich? Schließlich hat sich bis das Video auftauchte kein Mensch dafür interessiert?
Das schlimmste an dem Fall ist, dass es jetzt unheimlich viele selbsternannte Experten gibt, die alle eine Meinung haben. Besonders Augenzeugen und Passagiere wollen da ganz genau wissen, was passiert ist. Und das ist Schwachsinn! Die Ausbildung zum Piloten dauert zwei bis drei Jahre und erfordert ein sehr umfangreiches Theoriewissen und 200stündiges Flugtraining. Ich rede einem Chirurgen ja auch nicht rein, dass er den Schnitt besser so oder so machen soll. Da die Untersuchungen zu dem Fall noch lange nicht abgeschlossen sind, wäre es unseriös da jetzt zu spekulieren. Ich bin an dem Samstag selbst in Hamburg geflogen und muss sagen, dass es keine normale Wetterlage war. Der Anflug auf dem Video sah mir schon sehr problematisch aus. Ich glaube ich hätte früher den Anflug abgebrochen und die Landebahn 33 beantragt. Ich bin an dem Tag selbst ohne Probleme auf der 33 gelandet. Wir hatten aber in diesen Tagen immer soviel Sprit dabei, dass wir uns mehrere Anflüge hätten leisten können.
5. Welches Wetter muss denn überhaupt herrschen, damit Landen und Starten – oder gar Fliegen – nicht mehr möglich ist?
Heutige Verkehrsflugzeuge sind inzwischen so gut ausgestattet, dass Landungen selbst im dichten Nebel möglich sind. Der Seitenwind darf beim Airbus bis maximal 38 Knoten (ca. 70 km/h) kommen. Das sind alles schon extreme Wettersituationen in denen eine sichere Landung möglich ist.
Überhaupt nicht sicher ist eine Landung, wenn eine Gewitterzelle genau über dem Flugplatz steht. Dann würde man in eine Warteschleife einfliegen und das Gewitter abwarten. Die Gewitterzellen sind auf unserem Bordradar aber sehr gut auszumachen und ziehen innerhalb weniger Minuten ab. Man sitzt die Angelegenheit dann also aus und versucht es wenige Minuten später.
Ein Post unter diesem (siehe unten, bei Bedarf) schwelge ich zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen nach einem Sinn des Livebloggens von TV-Sendungen. Persönlich verstehe ich dieses Konzept überhaupt nicht und war umso überraschter, dass ein junges, modernes, sehr neues Newsportal, wie Zoomer.de gleich mal das Uri Geller Finale mitbloggte.
Nadine Lantzsch, Volontärin bei Zoomer.de und Tagesspiegel.de (die gehören zusammen, dahinter steckt Holtzbrinck – wer mehr dazu lesen will, googlet), hat die Sendung auf zoomer.de wirklich unterhaltsam – und zeitgleich wenig begeistert – mitgeschrieben (das findet sich hier).
deshalb heute: kleinefragen an Nadine Lantzsch
1. Warum bloggt man eine TV Sendung mit, die jeder im Fernsehen anschauen kann? Ich verstehe es bei Sport-Events, Bundestagsdebatten. Aber TV Sendungen? Wieso trifft man sich nicht einfach in einem Chat?
Da ich auch privat blogge, ist für mich das Konzept des Livebloggens sehr schlüssig – Spaß. An allererster Stelle. Für den Blogger und den Leser. Dabei geht es nicht unbedingt darum, die Sendung nachzuerzählen, denn die kann ja jeder einschalten, wenn er mag, da geb ich dir Recht. Wenn die Leser kleben bleiben, dann wollen sie die Meinung des Bloggers. Sie wollen unterhalten werden, sie wollen lachen, sie wollenContinue Reading »