Philipp Abresch arbeitet beim NDR Fernsehen. Während seiner Hospitanz in den CNN Headquarters in Atlanta hat er gelernt, was es heißt für DEN Nachrichtensender überhaupt zu arbeiten. Wie dort recherchiert wird und dass man immer ins Fernsehen kommt, wenn man auf Toilette muss. Denn der Weg dorthin führt direkt am Moderations-Desk vorbei.
Sowas finde ich super spannend. Deshalb heute: kleinefragen an Philipp Abresch.
Welche Aufgaben hattest du während deiner CNN Hospitanz?
Ich habe als Austausch-Journalist beim International Desk im CNN Newsroom gearbeitet. Wann immer etwas in der Welt passiert und die jeweiligen CNN-Sendungen darüber berichten wollen, dann melden sie sich beim Desk. Meine Aufgabe – wie die der Kollegen – war’s dann mit den Reportern am Ort zu telefonieren, Fragen abzusprechen, bei der Recherche zu helfen, Sendezeiten und Verfügbarkeit zu klären und schließlich auch die technische Abwicklung zu gewährleisten. Wenn ein Reporter, ganz gleich ob in Usbekistan oder in Mexiko, auf den Sender geht, dann muss eine Leitung zum Satelliten bestellt werden, das Bild hübsch eingerichtet werden, und schließlich muss der Ton stimmen. Ich habe dann für solche Fälle zwei Telefonhörer am Ohr, um mit allen, die an der Live-Schalte beteiligt sind, kommunizieren zu können: Dem Field-Producer, der gleich neben dem Reporter steht, der Kollege im Schaltraum in Atlanta und schließlich der Moderator im Fernsehstudio. Tausend Leute machen mit und alle wollen unterhalten werden…
Hier in Deutschland wird vor allem das Abtippen von Nachrichtenagenturen betrieben. Das ist bei CNN komplett anders. Wie funktioniert die Nachrichtenrecherche dort und welche Aufgabe haben damit die Stringer?
„You have to be aggressive“ ist so ein Satz, der mir schon am zweiten Tag eingebläut wurde und sich auf die Recherche bezog. CNN verlässt sich wenig auf Nachrichtenagenturen (die sind allenfalls ein Weckruf) sondern versucht selbst mit bewundernswerter Konsequenz und Hartnäckigkeit die Primär-Quellen zu erschließen. Die Reporter in den jeweiligen Ländern spielen dabei eine große Rolle und das Heer der Stringer. Gleichzeitig läuft viel über den Newsroom in Atlanta. Bei eingehenden Nachrichtenmeldungen werden nicht nur die Reporter aktiviert sondern selbst gleich zum Telefon gegriffen. Es gab Tage, da habe ich täglich mit dem sudanesischen Regierungssprecher gesprochen, mit einem Minenbesitzer, der den weltgrößten Diamanten gefunden haben will. Man plauscht mit dem Vorsitzenden des nigerianischen Dampfschiffahrts-Kapitänsverband, dem Umweltministerium von Kuba oder dem BKA in Wiesbaden.
Woher nimmt CNN eigentlich die ganze Kohle für das riesige Korrespondenten-Netz?
CNN finanziert sich über viele Wege. Werbung ist der eine. Der Rechtehandel ein anderer. Viele Sender auf der Welt sind Teil des Affiliats-System von CNN, um an aktuelles Bildmaterial zu kommen. Wer solche Bilder quasi im Abonnement hat, zahlt auch dafür. Schließlich dürfte CNN davon profitieren, dass CNN Teil eines der größten Medienimperien weltweit ist: AOL Time Warner.
CNN hat schon seinen Videotext abgeschafft und verweist auf sein Onlineangebot – wie spürt man in der Redaktion den Stellenwert des Internets?
Das Internet als weiterer Ausspielweg von CNN-Inhalten hat eine enorme Bedeutung gewonnen. Mit CNN Pipeline betreibt CNN neben den vielen anderen Sendern, ein eigenes Internet-Programm. Die CNN-Präsenz im Netz wird auch in Zukunft massiv ausgebaut werden. Ein Beispiel dafür ist der I-Report. Hier dürfen Zuschauer übers Web ihre eigenen Inhalte hinterlegen, die von einer eigenen Redaktion systematisch aufbereitet werden. Mehrere tausend Einträge gibt es hier pro Monat aus allen Ländern der Erde, die ebenso systematisch Eingang ins Programm finden: Das selbstgedrehte Video aus dem Irak-Krieg, vom Erdbeben in Japan oder vom Wolkenbruch um die Ecke.
Für die Antworten dankt sehr: ich.
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