Stefan Michalk von der IFPI: “Wir halten an unserer Strategie fest”.

Das Interview habe ich am 19. Januar für NDR/N-JOY telefonisch geführt. Herr Michalk war zu diesem Zeitpunkt auf der Midem in Cannes.

Stefan Michalk - quelle: musikindustrie.de

Stefan Michalk - quelle: musikindustrie.de

1. In den USA hat die Musikindustrie angekündigt die Massenklagen einzustellen. Wird das auch in Deutschland so kommen?

Leider nein. Das würden wir auch sehr gerne tun. Die Voraussetzungen in den USA sind aber anders. Und zwar haben sich dort die Internet-Service-Provider bereit erklärt, bei Urheberrechtsverletzungen im Internet Warnhinweise zu verschicken, bevor man den juristischen Weg geht. Dieser Weg ist uns in Deutschland leider noch verwehrt. Deswegen müssen wir leider an unserer Strategie festhalten Internetpiraterie juristisch zu verfolgen.

2. An wem scheitert es denn?

Es scheitert ein bisschen an der Politik und es scheitert ein bisschen an der Bereitschaft der Internet-Service-Provider diesen Weg der Warnhinweise zumindest mal zu versuchen und zu testen, ob nicht die Mehrzahl der User, es bleiben lassen würde, wenn man einen Warnhinweis verschickt. Umfragen in England und Frankreich haben gezeigt, dass 70 – 90 Prozent ihr illegales Tun dort einstellen würden. Wir würden diesen Weg in Deutschland gerne testen. Aber bisher konnten wir weder mit den Providern, noch mit der Politik einen Schritt weiterkommen.

Anmerkung meinerseits: es gibt andere Umfragen, die anderes behaupten.

3. Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten: Massenklagen oder Warnhinweise. Gibt es denn keinen dritten möglichen Weg?

Wir haben ja schon sehr viele “dritte Wege” versucht: Bevor wir beschlossen haben, juristisch gegen Internetpiraterie vorzugehen, haben wir es mit Aufklärungskampagnen versucht. Die haben leider wenig gefruchtet. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass der juristische Weg erfolgreich ist: die illegalen Downloads sind von 2004 bis zum letzten Jahr um ca. 50 Prozent zurückgegangen. 2004 waren es noch 600 Millionen, im letzten Jahr waren es noch um die 300 Millionen. Das heißt: die Strategie ist erfolgreich; solange es keine Alternative gibt, werden wir diesen Weg weitergehen müssen.

4. Was erhofft sich denn die Musikindustrie in Deutschland von diesem Jahr?

Ich glaube wir blicken, wie immer, optimistisch in das Jahr. Musik ist nach wie vor stark gefragt. Ich sage immer: wir haben kein Produktproblem sondern wir haben ein Abrechnungsproblem. Ich denke das Jahr ist gut gestartet mit der Verkündung, dass jetzt bei iTunes die Songs ohne Kopierschutz gekauft werden können. Ich glaube, es gibt eine Vielzahl von Musikangeboten, die die Konsumenten heute nutzen können. Die Preise sind recht günstig. Und wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass der Digitalmarkt extrem stark wächst und wir hoffen, dass das auch in diesem Jahr wieder der Fall ist.

5. Ist die Kultur-Flatrate für Sie noch ein Thema?

Die “Kultur-Flatrate”, so wie sie oft gemeint ist, ist kein Thema. Die “Kultur-Flatrate” ist ja eine Art GEZ. Das heißt, alle müssten dafür bezahlen, aber nicht jeder würde es unbedingt nutzen wollen. Es gibt ja auch durchaus privatwirtschaftlich organisierte Modelle, die quasi einem Flatrate-Modell entsprechen: zum Beispiel “Nokia Comes With Music” das im letzten Jahr in England gestartet ist. Das heißt, man kauft ein Mobiltelefon und erwirbt damit gleichzeitig das Recht ein Jahr lang aus einem riesigen Reportoire von Musik unbegrenzt Musik herunterladen zu können. Ich glaube, dass das ein Weg sein kann, wie Musik in Zukunft verkauft und vertrieben wird. Wir glauben aber, dass das wenig hilfreich ist, wenn das quasi staatlich verordnet wird. Sondern wir setzen eher darauf, dass solche Angebote von der Industrie selber geschaffen werden und sich der Konsument entscheiden kann, ob er solche Flatrate-Angebote nutzen möchte oder ob er doch lieber einzelne Stücke kauft.

Es dankt, wie immer, tausendfach: ich

Weiterführende Links

Es gab – Aufgrund der Midem – eine breitere Berichterstattung zum Thema MUSIK 2.0, Internet und so.

Die eindeutig bekloppteste Idee kommt wohl aus Österreich:

Offensive für die Musik-CD

“Mehr drin, mehr dran, mehr drauf” sei bei der CD als etwa bei Musikkäufen im Internet, suggeriert die am Donnerstag offiziell gestartete Kampagne. Auf vorerst 1.500 Plakaten in ganz Österreich und ab März auf 200 “City-Lights” sollen die Vorzüge der Silberscheibe herausgestrichen werden: Diese reichen von der unkomprimierten Musik über “Zusatzfeatures” wie Booklets und Fotos bis hin zum “haptischen Element” eines Produkts zum Sammeln, so Medwenitsch.

via ORF.at

Geld gut investiert!

Spiegel-Online ruft gleich das Jahr der Flatrate aus – und vergisst, dass die erfolgreichsten Angebote keine Flatrates anbieten und die Angebote mit Flatrate, keinen Erfolg haben:

“Comes with Music” nennt Nokia einen Dienst, der die Kosten für die Downloads im Geräte- und Mobildienst-Preis versteckt. Erste Konkurrenten werden im Laufe des Jahres nachziehen. Die Kunden aber, behauptet die oben erwähnte Studie des Marktfoschungsunternehmens The Leading Question, wünschen sich etwas ganz anderes: 46 Prozent der 1300 Befragten in mehreren europäischen Kernmärkten wünschen sich, ihren Musik-Obolus pauschal einfach mit der Provider-Rechnung zu entrichten. Das wäre offenbar bequem.

Marcel Weiss bei netzwertig.com erklärt nochmal, “wie Musiker in Zeiten des Internets Geld verdienen (können)” und stellt dabei faszinierendes fest:

Wie jeder Student der Wirtschaftswissenschaften im ersten Semester lernt: Der Marktpreis ist ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Mit steigendem Angebot sinkt der Preis Richtung Null. Digitale Kopien der Dateien werden nie aufgebraucht sein. Das Angebot von Musikaufnahmen ist also unendlich, Angebots- und Nachfragekurve treffen sich in einem solchen Fall bei einem Preis von Null. Der Preis wird sich deswegen über die Zeit auf Null zubewegen.

Marcel bekommt dafür ordentlich eins auf dem Deckel und sieht sich in einem zweiten Artikel gleich noch einmal genötigt Stellung zu beziehen.

Heise-Online gräbt noch ein paar Beispiele aus, wie Bands schon mit dem Internet Geld verdient haben.

So machte es Anfang 2008 auch die US-Songwriterin Jill Sobule, die nach mehreren Vertägen mit einem Major und mehreren Bankrott gegangenen Indie-Labels die Nase voll hatte. Sobule überlegte sich gestaffelte Beiträge: für 500 Dollar wird der Name in einem Song erwähnt, für 5000 gibt’s ein Konzert daheim und der ultimative Fan kann für 10.000 Dollar gleich mitsingen. Mit Autotune-Nachbearbeitung klang das dann auch gut, sagte Sobule.

Und ich habe ja nun auch schon das ein oder andere geschrieben.

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