Tom Westerholt war ein GIGA-Mann der ersten Stunde. 1998 war er Teil des Gründungsteams, Ende 2002 verließ er den Sender und arbeitet jetzt von Berlin aus unter anderem für 1LIVE.
Für morgen ist das Ende von GIGA angekündigt. Premiere zieht den Stecker und Tom erinnert sich mit ein paar kleinenfragen…
1. Wie hast du vom Ende von Giga erfahren?
Durch Zufall aus dem Internet, dann direkt über die GIGA.de Startseite
2. Kam das Ende für dich überraschend?
Leider nein, der Sender hatte ja spätestens schon seit der Übernahme durch “DasVierte” arge Probleme mit Selbstdarstellung und Finanzierung und war nicht mehr das GIGA, mit dem ich 1998 angefangen hatte. Es sind zu wenig gute Ideen investiert worden, das hat sich am Ende gerächt.
3. Das Konzept von GIGA wurde ständig verändert. Welche Phase hat dir besonders gefallen?
Mir hat am besten die Phase von 1999 bis 2002 gefallen. Da hatten wir nach ein paar Monaten Rumprobieren seit Beginn der Sendung viel dazu gelernt, es kam das phantastische GIGA GAMES hinzu, das war eine sehr innovative Phase. Ich bin fest davon überzeugt, dass GIGA auch heute noch funktionieren würde, wenn man eben gerade das Konzept nicht dauernd über den Haufen geworfen hätte. Eine stete Weiterentwicklung hätte vollkommen ausgereicht.
4. Was hat GIGA deiner Meinung nach im Internet und im Fernsehen bewegt?
Es war die erste, richtig große Community im Deutschen Fernsehen und im deutschen Internet. Das war schon massiv, was wir damals mit einer Handvoll Leute auf die Beine gestellt haben. Über 1 Million Community-Mitglieder über die Zeit ist schon eine Hausnummer. Ich denke wir waren die ersten, die das Internet in der Form ins Fernsehen gebracht und wirklich publik gemacht haben. Lange bevor es Sendungen wie “WWW”, “Darüber lacht die Welt”, “Das Fundstück der Woche” und andere Programmelemente gab.
5. Wie ist der Konakt zu den ehemaligen Kollegen?
Unregelmäßig, das ist aber nicht schlimm. Ich bin mit keinem meiner ehemaligen Kollegen im Streit auseinander gegangen, war aber auch nur wenigen Kollegen wirklich befreundet. Wenn man sich fünf Tage die Woche acht Stunden pro Tag in einem Studio auf der Pelle sitzt, muss man nicht auch noch die Freizeit miteinander verbringen. Mit Gregor (Teicher) hab ich noch regelmäßigen Kontakt, mit Miriam (Pielhau) hin und wieder.
6. Was geht mit GIGA verloren?
Heute eine zuletzt für mich völlig undurchschaubare, planlose und unorganisierte Sendung, die kein erkennbares Konzept mehr hatte. Grundsätzlich: eine ehemals sehr gute Idee.
7. GIGA war in letzter Zeit komplett zum E-Sports/Spiele-Sender mutiert. Wie könnte Gaming-TV zukünftig im deutschen Fernsehen aussehen?
Wenn sich ein Sender findet, der sich daran traut, sehr vielseitig. E-Sports gewinnt mehr und mehr Fans. Man könnte also tagsüber in erster Linie das machen, was wir damals auch schon gemacht haben, nämlich neue Spiele und neue Games-Hardware rezensieren und für die Leute einordnen. Exklusive Spielausschnitte zeigen die noch keiner kennt, neue Spiele vorstellen. So, wie es die Musiksender mit der Musik machen. Abends, speziell am Wochenende, könnte man dann die großen Turniere live übertragen, das macht sonst keiner (im Web ja, aber nicht im Fernsehen). So moderiert, wie wir es vom Fußball kennen, mit Moderator, Reportern, Kommentatoren.
Es dankt, wie immer, tausendfach: ich.
Es gibt noch eine kleine Aktion, die versucht GIGA in den KiKa zu holen.
Und dann gibt es noch die GIGA-History-Seite mit Wiki. Und die GIGA-Community bleibt online. Ich hatte damit nie etwas am Hut, fand es immer nett zu sehen – als es grün im Fernsehen war und junge Menschen Spaß hatten anderen jungen Menschen Sachen aus dem Internet vorzulesen und gegeneinander zu spielen.
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